Thukk Zhakrad

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Bio:

Sonne auf, Sonne unter. Sonne auf, Sonne unter.
Sonne auf. Hafen, Drecksvögel. Matrosen prügeln? Immer. Bamm, knack, uurrah! Thukk ist Sieger heute! Uurrah, heb die Fäuste, Thukk! Thukk! Thukk! Geld her. Oh, Kuchen! Geld weg. Naja.
Sonne auf, Sonne unter.
— Auszug aus den Memoiren des Thukks


Ein Klumpen fiel in Thukks Bier. Stumm beobachete er das daumennagelgroße Stück aus Staub, Schweiß und Blut, das sich von seiner Augenbraue gelöst hatte und nun in seinem Becher schwamm. Er versuchte recht erfolglos, es mit seinen dicken Fingern herauszufischen und stieß ein leises Knurren der Resignation aus. Er schüttete sich den Rest des Gebräus in den offenen Rachen.

Sein Blick wanderte hinüber zur völlig überfüllten Theke und er spitzte grübelnd die Lippen. Kurz strich seine Hand über die Geldkatze und befühlte die paar Münzen darin. Viel war nicht mehr übrig, und die Biere waren teuer, hier in “Zinchers Hofbrauerei”, der neuesten Erweiterung von Zinchers Arena.
Thukk sog zwitschernd die Luft durch die gespitzten Lippen und stütze sich am Tisch ab um aufzustehen, als sich eine Gestalt mit wallendem, tiefblauen Gewand in sein Blickfeld schob. Selbst für einen von Thukks Stand war klar, dass dieser Jemand nicht in eine Kneipe im Kaiviertel von Rätselhafen gehörte.

 “Darf ich mich setzen”, kam es von der blauen Gestalt, weniger eine Frage als vielmehr eine Aussage, die keinen Widerspruch duldete. Dennoch wartete der – wie Thukk nun sah – aschblonde Zwerg im blauen Mantel, bis er eine knappe Geste der Einladung von Thukk erhielt, bevor er sich einen Schemel heranzog.
 “Wer hier sitzt, trinkt”, stellte Thukk fest und fixierte streitlustig den Zwerg, der mit kühlem Lächeln dem Blick standhielt. Nach einem kurzen Moment der Stille kam jemand vorbei und stellte wortlos zwei Humpen auf den Tisch. Thukks Gegenüber nahm den Krug, prostete ihm kurz zu und trank, ohne den Blick von ihm zu lösen. Thukk wartete, bis der Krug wieder auf dem Tisch stand und legte schließlich den Kopf schief. Der kleine Mann richtete seinen Bart, strich seinen Mantel glatt und ergriff endlich das Wort:
 “Zincher?” fragte der Blaue.
 “Thukk”, sagte Thukk.

Der Zwerg hustete. “Ob du ihn kennst.”
 “Nein.”
 “Zincher gehört das Etablissement, das dir deine allabendliche Verköstigung hier finanziert.”
Thukk sah besonders klug drein, denn es war klar, dass sich das halbe Hemd auf Kopfebene messen wollte. Der Zwerg spannte knapp die Mundwinkel an und hob die Augenbrauen. “Der Laden, in dem du dich für Geld prügelst, ist seiner.” Thukk grunzte zustimmend, und der Zwerg fuhr fort. “Und er hat da einen neuen Kämpfer, den er gern an der Spitze sehen würde.”
Der Halbork grinste breit. “Dann muss er erst an mir vorbei.”
Das Lächeln des Manns in Blau erstarb und er lehnte sich leicht nach hinten, bevor er den Krug etwas von sich schob. “Ich dachte mir schon so was. Lass es mich so sagen: Zincher will, dass er die Rangliste anführt, und dass du das hinnimmst. Klar?”
Jetzt tat es Thukk ihm gleich und lehnte sich nach hinten, nahm aber seinen Krug dabei mit. Er schwenkte den Becher leicht, bevor er antwortete.
 “Klar, wenn er mir die Fresse polieren kann…”
Ein Seufzen kam von der anderen Seite des Tisches.
 “Gut, dann anders: Hast du von der Oppara Arena gehört?”
 “Klar.”
 “Zincher weiß nicht, ob er einen so guten Kämpfer wie dich auf Dauer bezahlen kann – die Geschäfte laufen schlecht, weißt du?” Thukk nickte verständnisvoll. “Zincher hat da ein paar Sachen für dich geregelt, du kannst da sofort anfangen. Besseres Preisgeld, häufigere Kämpfe, mehr Publikum als hier.”
 “Wie viel Publikum?”
 “Tausende. Für jeden, der dir hier zujubelt, gibt es in der Oppara Arena fünfzig mehr.”

Thukk klemmte den Bierkrug zwischen die Schenkel, hielt seine Hände hoch und fing an, mit den Fingern zu zählen, gab aber nach kurzer Zeit wieder auf. Er setzte einen Gesichtsausdruck auf, den er für wissend hielt, schwenkte nachdenklich wieder den Becher und sagte schließlich: “Find ich gut. Geh ich morgen los.”
Dankend hob er seinen Krug, leerte ihn, machte kehrt und ging schnell in Richtung Ausgang, leise dabei in sich hineinkichernd darüber, dass er erfolgreich diesen sich selbst furchtbar wichtig nehmenden Zwerg um die Zeche geprellt hatte.


Aus den schwarzen Aschlanden in Varisia bahnt sich ein Hüne von Halbork seinen Weg, Fäuste voran, nach Osten. Ein Boxer, immer auf der Suche nach dem nächsten Ring und einem höheren Preisgeld. Woher er kommt sagt er selten, wohin er geht interessiert niemanden, was er da will könnte er noch gerade so in verständliche Worte fassen.
So geht er, Schritt für Schritt, stets der steigenden Sonne entgegen.

Thukk Zhakrad

Der Preis der Unsterblichkeit makkaal